Unser neues Projekt 2026: Moldau

Unser neues Projekt im Jahr 2026: Empowerment von Roma in Moldau stärken

Seit dem 1. April läuft unser neues Projekt in Moldau. Wir kooperieren dort mit zwei Selbstorganisationen von Roma: Tarna Rom sowie Moldsolidaritate. Wir sammeln Interviews zum Genozid an Roma, entwickeln eine Ausstellung, führen mindestens vier Veranstaltungen durch und organisieren eine Bildungs- und Begegnungsreise für voraussichtlich 15 junge Roma aus Moldau nach Krakau/Gedenkstätte Auschwitz und nach Berlin. Die „Feldphase“ des Projektes begann Anfang Mai. Zunächst gab es zwei Tage mit vorbereitenden Workshops und Besprechungen. Unter anderem: Ein Workshop mit Dr. Iryna Kashtalien (Gedenkstätte Buchenwald) zum Thema Oral History, und ein Workshop mit Misha Bours (Amsterdam) zu technischen Aspekten der Interviewführung, Kameraausrichtung, Belichtung usw.

Danach begann die Feldphase: Unser Team (darunter ein Projektkoordinator aus Deutschland) fuhr für vier Tage nach Soroca im Norden des Landes, um dort Interviews durchzuführen. Marin Alla von Tarna Rom hatte die Interviews im Vorfeld vereinbart. Nach dem Aufenthalt in Soroca ging es noch nach Basarabeasca im Süden von Moldau. Thema der Interviews waren die Deportationen, von denen bessarabische Roma 1942-1944 betroffen waren (damals unter rumänischer Besatzung). Wir gehen davon aus, dass wir nur sehr wenigen Personen, die selbst deportiert worden waren, begegnen werden, dafür aber deren Nachfahren. Tatsächlich konnten wir in der ersten Phase feststellen, dass diese häufig gut unterrichtet darüber sind, was ihren Vorfahren geschehen ist. Das Projekt ähnelt gewissermaßen unserem „Transnistrien“-Projekt von 2015 (https://genocideagainstroma.org/ausstellung/volkermord-an-roma-remember-to-resist-transnistrien/ ), fokussiert sich aber auf das Gebiet der heutigen Republik Moldau, weil es in diesem Land um die öffentliche Erinnerung an den Roma-Genozid besonders schlecht aussieht. In der ersten Interviewphase (sie wird bis voraussichtlich Ende Juni fortgeführt) konnten wir insgesamt 17 Interviews sammeln. Die Erinnerungen sind natürlich sehr unterschiedlich.

Unser Plan ist, dass wir aus ungefähr 50 durchgeführten Interviews – hinzu kommen weitere Interviews, die ein deutsches Team unter moldauischen Roma durchführt, die nach Deutschland migriert sind – eine Ausstellung entwickeln, die das Schicksal von ungefähr 12 Personen bzw. Familien aufzeigt, und auch einige Ausstellungstafeln mit historischen Hintergrundinformationen umfasst. Spoiler: Von den 17 Interviews waren etliche so inhaltsreich, dass wir optimistisch sind, unser Ziel zu erreichen! Die Interviewten berichteten von Details der Deportationen, von den tödlichen Umständen des Zwangsaufenthaltes in Ghettos bzw. Lagern – ohne Ernährung, Heizmaterial, medizinischer Versorgung usw. – aber auch von Akten des Widerstandes, der Flucht und anderer Überlebensstrategien. Außerdem haben wir einige historische Orte bzw. Informationsorte besucht – und konnten dort feststellen, dass die Informationen zum Roma-Genozid (der in Moldau meist als „Roma-Holocaust“ bezeichnet wird) recht spärlich bzw. ungenau sind. Im Nationalen Geschichtsmuseum in der Hauptstadt Chisinau wird der Zweite Weltkrieg nur ganz am Rande, der Holocaust und auch der Genozid an Roma gar nicht thematisiert. An anderen Orten – u. a. einer Ausstellung am „Eternitate“-Ehrenmal, wo der Toten des Zweiten Weltkrieges gedacht wird – wird die rumänische Täterschaft des Genozids ausgeblendet. Wir werden auf dieser Seite über die weiteren Schritte des Projekts informieren!