Osteuropäische Roma-Organisationen fordern mehr Entschädigung für NS-Unrecht

Konferenz am 22/23. Oktober 2022 in Chişinău

An den Rom:nja-Genozid erinnern – Gegen Rassismus kämpfen

Roma-Organisationen und NS-Opferverbände mehrerer Staaten aus Osteuropa fordern eine rasche Anhebung der Entschädigungen für Roma, die den Genozid während des Zweiten Weltkrieges überlebt haben.

Teilnehmer:innen der Konferenz in Chişinău

Zum Abschluss einer Konferenz, die am vergangenen Wochenende in der moldauischen Hauptstadt Chişinău stattfand, beklagten die rund 35 Teilnehmer*innen aus Belarus, der Ukraine, Moldau, Rumänien und Deutschland, dass die deutsche Entschädigungspolitik Roma seit Jahrzehnten gravierend benachteilige. Besonders skandalös sei, dass ihnen grundsätzlich keine monatlichen Leistungen bewilligt werden. Häufig hätten sie nur eine Einmalzahlung in geringer Höhe erhalten.

Die Konferenz war vom Bildungswerk für Friedensarbeit im Rahmen eines Projektes zur Erinnerung an den Roma-Genozid organisiert worden.

„Es ist unerträglich, dass viele der hochbetagten Überlebenden ihr Lebensende in bitterer Armut verbringen müssen. Die Roma-Verbände in Osteuropa fordern zu Recht, dass die Leistungen für Überlebende deutlich angehoben werden“, so Gerit Ziegler, Vorsitzende des Bildungswerks. „Bis jetzt sind wir die einzigen, die die Überlebenden fragen, wie es ihnen geht. Heute wird Gewalt gegen Roma nicht aufmerksam bemerkt und nicht strafrechtlich verfolgt, obwohl es entsprechende Gesetze gibt“, stellt die Roma-Aktivistin Mirabela Semiramida Pâslaru fest. Sie gehört der Organisation „Asociatia Comunitatilor Marginalizate“ im rumänischen Botoșani an.

Die teilnehmenden Organisationen kündigten an, der Bundesregierung und dem Bundestag eine Resolution zur Verbesserung der Entschädigungspolitik zu überreichen.

Bereits im vorigen Jahr hatte die Unabhängige Kommission Antiziganismus in ihrem Abschlussbericht gefordert, allen Roma-Überlebenden monatliche Entschädigungen zukommen zu lassen und auch den Angehörigen der zweiten Generation eine Kompensation zu gewähren.

An der Konferenz hatten 35 Vertreter*innen von Roma-Communities und Selbstorganisationen, Mitarbeiter*innen von NGOs und Wissenschaftler*innen teilgenommen, um die Perspektiven der Erinnerungsarbeit zu besprechen und eine verstärkte Vernetzung der Akteure in die Wege zu leiten.